Mehrere Hunde zu halten, bedeutet mehr als mehr Glück und Freude und Loyalität. Es bedeutet auch, mehr Kosten zu haben, mehr Zeit und Platz zu brauchen – und gute Nerven.

Mehrhundehaltung"Unter hundert Menschen liebe ich nur einen, unter hundert Hunden neunundneunzig", lautet ein Zitat der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Vielleicht ist dies ein fragwürdiger Einstieg für einen Artikel zum Thema Mehrhundehaltung, denn 99 ist eine Zahl, die doch eher Luftballons vorbehalten bleiben sollte. Dennoch, diese Worte drücken aus, was viele Menschen empfinden, die einen Hund halten – und lassen den Wunsch plausibel erscheinen, dieses Glück zu potenzieren. So einfach ist es freilich nicht. Nicht für jeden Menschen, nicht für jeden Hund ist das Zusammenleben mit mehreren Hunden das Richtige. Auf jeden Fall sollte im Sinne der Tiere vorher einiges gründlich be- und durchdacht werden, ohne sich der Illusion hinzugeben, alles sei plan- und berechenbar. Dann steht das Leben mit mehreren Hunden auf einer soliden Basis.

Verantwortung für alle

MehrhundhaltungÜberzeugt von der Mehrhundehaltung sind inzwischen gut 1,3 Millionen Menschen in Deutschland, in deren Haushalt zwei oder mehr Hunde leben. Es ist jedoch der Mensch, der die Entscheidungen trifft und folglich die Verantwortung übernehmen muss. Und zwar die Verantwortung für alle Menschen und alle Hunde im Haushalt und für alle möglicherweise sonst noch dort lebenden Tiere, ebenso wie die Verantwortung für jede Interaktion, die außerhalb der eigenen vier Wände passiert. Bevor ein Zweit-, Dritt- oder Vierthund also einziehen darf, sollte gründlich nachgedacht und die eigenen Möglichkeiten schonungslos ehrlich analysiert werden.

Bei der Lektüre im Internet stößt man bei der Recherche zum Thema immer wieder auf die Aussage, Mehrhundehaltung liege "im Trend". Was damit gemeint ist, verharrt allerdings im Nebel. Es hat einen unangenehmen Beigeschmack: der Hund oder vielmehr die Hunde als Trend? Als Mode? So schreibt etwa Userin "Cookie" in einem Diskussionsforum: "Einen Nachteil sehe ich inzwischen mit 3 Hunden nur bei der Suche nach einem Ferienhaus … Ansonsten hat es für mich nur Vorteile – ich kann ungestraft mehr Halsbänder und Leinen kaufen, mehr Körbchen und Decken, ich muss nicht begründen, wieso das Auto größer als die Norm sein muss usw."

"Cookie" meint das hoffentlich selbstironisch. Hunde sind sicher nicht dazu geeignet, die eigene Kauflust oder Konsum als Selbstzweck zu rechtfertigen. Einen weiteren Hund aus der Tötung zu retten oder aus unwürdigen Lebensumständen zu holen, ist hingegen eine gute Motivation, vielleicht die beste. Simone Schröder, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft zum Schutz des Hundes, meint: "Jeder, der sich mit der Absicht trägt, einen weiteren Hund aufzunehmen, sollte sich ehrlich fragen, welche Motivation dahinter steht und vor allem bereit sein, die Konsequenzen zu tragen." Drum prüfe, wer sich ewig bindet …

Die Voraussetzungen sorgfältig prüfen

MehrhundehaltungSpontan und impulsiv zu handeln, mag seinen Reiz haben, ist aber in Sachen "mehr Hunde" eher nicht ratsam. Denn der Neuzugang soll sich ja auch wohlfühlen können und mit ihm alle, die schon vorher da waren. Alle Menschen, die zur Gemeinschaft gehören, sollten sich einig sein und sich zudem kritisch gefragt haben, warum sie sich einen weiteren Hund wünschen, was sie sich von ihm erhoffen und nicht zuletzt, was sie ihm geben können. Ihren Hund oder Ihre Hunde können sie nicht befragen, was diese von dem Plan halten, aber Sie können ihn/sie beobachten und einschätzen. Nicht jeder Hund fühlt sich im Rudel wohl. Zudem sollte es mit den bisherigen Hunden keine größeren Schwierigkeiten oder Erziehungsbedarf mehr geben.

Für jeden weiteren Hund brauchen Sie entsprechend Platz, gegebenenfalls die Erlaubnis des Vermieters, aber auch Ausstattung wie Liegeplätze und Futternäpfe. Nicht nur das in entsprechender Menge zusätzlich benötigte Futter kostet Geld, sondern auch die Hundesteuer und Versicherungen, Sicherungssysteme fürs Auto und vieles mehr. Auch die Kosten für den Tierarzt können explosionsartig ansteigen, denn für ein gesundes Tier gibt es keine Garantie – und manchmal werden alle gleichzeitig krank. Auch an die Urlaubszeit sollten Sie unbedingt denken, denn ein Urlaub mit mehreren Hunden bringt Schwierigkeiten mit sich. Haben Sie genügend Betreuungsmöglichkeiten und Hilfe, auch wenn Sie selbst einmal krank sind?

Zeit und Geduld für alle Hunde

MehrhundehaltungFriedlich miteinander spielende und zärtlich nebeneinander ruhende Hunde sind eine schöne Vorstellung, aber häufig auch eine Illusion, der Sie sich nicht vorschnell hingeben sollten. Mehr Hunde erfordern mehr Zeit, zumindest am Anfang, wenn sich die nun größere Gemeinschaft aufeinander einstellen und neu ordnen muss. Es ist unwahrscheinlich, dass alles sofort und problemlos klappt. Wie wir Menschen, müssen sich auch Hunde erst aneinander gewöhnen – und das funktioniert unterschiedlich gut. Jeder neu hinzukommende Hund muss sich ausprobieren und in der Gemeinschaft positionieren. Der Mensch sollte dies begleiten, beobachten und entsprechend eingreifen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Eventuell ist es – zunächst – nötig, mit den Hunden einzeln spazieren zu gehen oder sich mit jedem einzeln zu beschäftigen und zu arbeiten. Fehlt die entsprechende Erfahrung, ist es hilfreich, einen Experten oder eine Expertin hinzuziehen zu können.

Die Qual der Wahl – wer soll der neue Hund sein?

Die Voraussetzungen sollten also stimmen. Ist die grundsätzliche Entscheidung für einen weiteren Hund gefallen, muss nun der Richtige gefunden werden. Er muss nicht nur zu Ihnen passen, sondern vor allem auch zu den bereits vorhandenen Hunden. Gut, wenn Sie diese genau kennen: Mögen sie überhaupt die Gesellschaft anderer Hunde? Wenn ja, mögen sie lieber Hunde des gleichen oder des anderen Geschlechts? Sind sie durch größere oder lebhafte Hunde vielleicht verängstigt oder selbst eine "Dampfwalze"? Mögen sie Welpen und sorgen sich gern um diese oder wäre vielleicht ein älterer und ruhigerer Hund die bessere Wahl? Auf diese Fragen gibt keine pauschal richtigen Antworten, alles ist von der individuellen Situation und den Beteiligten abhängig.

Ideal ist es, wenn sich bereits vorhandene Hunde und potentieller Neuhund im übertragenen wie im Wortsinne zunächst einmal in aller Ruhe beschnuppern können, vielleicht auch bei mehreren Begegnungen, bevor die Entscheidung endgültig fällt. Verabschieden Sie sich aber besser von der Illusion, für jede Eventualität gewappnet zu sein. Stefanie Gaden, die eine Hundeschule hat, bringt es auf den Punkt: "Mehrhundehaltung bedeutet ein Leben im Komparativ: Alles ist schwieriger, teurer, komplizierter, aufwendiger, aber auch schöner, lustiger, aufregender …!"